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Fertigelementbau Wisengrund

Im Elementbau hergestellt (alle Fotos Leo Wyden)

Notunterkünfte nach Vorbild von Oberglatt

Einfach, solide und in zwölf Jahren amortisiert

Die Notwohnungen in Oberglatt dienen als Vorzeigemodell. Für Glattfelden könnte der Bau in ähnlichem Stil eine Option sein. Behördenmitglieder nahmen einen Augenschein vor Ort.

4.5.2026, Ruth Hafner, Mondstaub.ch

Ein Dutzend Glattfelder Behördenmitglieder liessen sich die seit Februar dieses Jahres bezugsbereiten Notwohnungen in Oberglatt zeigen. Im Reckenwinkel, einem an Landwirtschaftsland grenzenden ruhigen Ortsteil von Oberglatt, stehen in den Häusern Nummer 8 und 10 sechs Wohneinheiten für insgesamt 76 Personen bereit. Gerechnet wird mit einer Belegung von drei Personen pro Zimmer. Die Baukosten belaufen sich auf 3,5 Millionen Franken. Noch sind nicht alle Wohneinheiten belegt. Eingezogen sind bis jetzt hauptsächlich ukrainische Flüchtlinge.

Die Glattfelder Behördenmitglieder interessieren sich für das Projekt.

Daniel Halter, Planer der ausführenden Architekturfirma OptiCasa AG in Winkel, führt durch die Räumlichkeiten. Diese wirken zweckmässig, hell und freundlich. Auf Luxus wird verzichtet. In einem Standardzimmer à 13 Quadratmeter stehen ein Einzelbett, ein Kajütenbett, ein Schrank, ein Tisch mit zwei Stühlen sowie ein kleiner Kühlschrank. Jeweils 14 Personen teilen sich zwei WC-Kabinen und eine Dusche. Dazu kommt ein separates Badezimmer mit WC und Dusche für mobilitätseingeschränkte Personen.

13 Quadratmeter für drei Personen

Jeder Wohneinheit steht eine gemeinsame Küche mit zwei Induktionsherden sowie eine Industrie-Waschmaschine und ein Tumbler zur Verfügung. Dazu gibt es einen grosszügigen Aufenthaltsraum. Die Umgebungsgestaltung ist einfach gehalten, mit robusten schweren Betonbänken. Die nach Süden ausgerichtete Fotovoltaikanlage sorgt für den benötigten Strom. Von den zwei Velo- und Kinderwagenunterständen ist einer als Raucherecke umfunktioniert worden. Zwei Gartenbeete und eine Spielfläche für Kinder ergänzen die Anlage, welche im Holzelementbau erstellt wurde.

«Wir haben mit wenig finanziellem Aufwand viel herausgeholt.»

Daniel Halter

Küche und Aufenthaltsraum

Bedenken wurden aus dem Weg geräumt

«Wir haben mit wenig finanziellem Aufwand viel herausgeholt», betont Daniel Halter. Die Lebensdauer der Anlage betrage im Minimum 20 Jahre. Zudem bestehe die Möglichkeit für eine Umnutzung. «Sollten die Flüchtlingszahlen deutlich sinken, könnte man in einer der Wohneinheiten zum Beispiel auch eine Kita einrichten.» Anfangs habe es kritische Stimmen aus der Bevölkerung gegeben. Ein runder Tisch mit den Trägerschaften von Anrainerblöcken habe geholfen, Bedenken aus dem Weg zu räumen. «Auch mit der Gemeinde hatten wir stets eine zielorientierte, gute Zusammenarbeit.»

Zwei Bauten mit Unterständen für Velos und Kinderwagen

Nun will Glattfelden an dieses Konzept anknüpfen. Doch warum? «Das Containerprovisorium an der Mettelitobelstrasse mit Platz für 48 Personen ist als Provisorium für drei Jahre bewilligt», erklärt Gemeindepräsident Marco Dindo. Im März 2027 läuft die bestehende Baubewilligung ab. Das Oberglatter Konzept überzeuge nicht nur ihn, sondern auch den Gesamtgemeinderat.

Daniel Halter erklärt das Konzept der Unterkunft

In Glattfelden müsste man auf dem Areal Wisengrund beim Freibad allerdings dreistöckig bauen, um Platz für 96 Personen zu schaffen. Dindo ist zuversichtlich, dass die Bevölkerung das Projekt gutheissen könnte. «Dank den Beiträgen des Bundes ist der Bau nach zwölf Jahren amortisiert. Die genauen Zahlen fehlen im Moment noch.» Geplant ist eine Informationsveranstaltung im kommenden Juni. Am 28. September findet eine vorberatende Gemeindeversammlung statt, und voraussichtlich im Dezember werden die Stimmberechtigten ihren Segen zu diesem Projekt erteilen oder es ablehnen.

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